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  • AutorenbildBirgit Wichmann

Der Mythos von der Originalität in Büchern

Schreiben ist eine Kunst und Kunst muss originell sein. Sind ein Buch oder ein Text nicht originell, so sind sie wertlos. Das ist die Erwartung, die in den Köpfen vieler Menschen sitzt und das Gespräch über Kunst prägt. Für jemanden, der mit dem Schreiben beginnen möchte, kann diese Vorstellung ein großes Hindernis bei der kreativen Betätigung darstellen. Fällt bei der Ideenfindung schon auf, dass das gewählte Thema schon von einem anderen Autor bearbeitet wurde, wird sie verworfen, denn sie ist ja nicht originell. So meint man. Das geht so weit, dass jede Idee schon im Ansatz verworfen wird, weil ein anderer Künstler ja das Urheberrecht darauf haben könnte.


Originalität und Kreativität

Der Schweizer Ralph Boller sagte einmal: “Originalität ist die Kunst, sich Dinge zu merken und zu vergessen, wo man sie gelesen hat.” Auf die Schreibkunst gemünzt könnte man sagen: sich Gelesenes zu merken und zu vergessen, wo man es gelesen hat.


Man sagt, dass Bücher dann künstlerisch besonders wertvoll sind, wenn sie etwas Neues, noch nie Dagewesenes darstellen. Nur dann wären sie originell. Tatsächlich ist es aber so, dass Künstler aus allen Kunstgebieten auf die Werke bereits vorangegangener Meister aufbauen.


Ein Buch ist nichts Neues?

Diese meist klassischen Themen werden tradiert und auf moderne Art und Weise interpretiert. So ist der seit zweitausend Jahren bekannte Spruch „Es gibt nichts Neues unter der Sonne” zu verstehen. Die großen Themen der Schreibkunst betreffen die ewigen Bedingungen menschlichen Daseins: zwischenmenschliche Konflikte in Familien und Herrschaftsverhältnissen, Liebe und Sexualität, Lust und Leiden, das ganze Spektrum menschlicher Emotionen, soziale Ungleichheit und vieles mehr. Die Dramen Shakespeares sind auch Jahrhunderte nach ihrer Entstehung aktuell, und James Joyce, dessen „Ulysses” als Geburt des modernen Romans und radikaler Bruch mit den Erzähltraditionen gefeiert wurde, hat darin Themen aus einer der ältesten überlieferten Dichtungen der Menschheit aufgegriffen und ins Dublin Anfang des 20. Jahrhunderts versetzt - der Odyssee.



Jedes Buch hat seinen Zweck

Mit einem Comic lässt sich eine Geschichte erzählen, eine Idee kann man als Skizze schnell mal auf einem Blatt Papier festhalten, mit einem Stillleben wird Alltägliches zu Papier gebracht, selbst das vor sich hinkritzeln beim Telefonieren kann zu einer Idee für ein Buch führen. Wer sich von dem Anspruch löst, immer etwas Originelles, noch nie Dagewesenes schaffen zu müssen, hört auf, sich selbst zu blockieren. Schreiben soll in erster Linie Freude machen. Man kann in die eigene Welt der Fantasie abtauchen und sich der Welt mitteilen.


Das weiße Blatt Papier

Schreiben lernen heißt kreativ werden. Doch Kreativität lässt sich nicht auf Knopfdruck aktivieren. Wahrscheinlich hat schon jeder angehende Autor die Erfahrung gemacht, dass er sich nach einem langen Arbeitstag abends mit gespitztem Bleistift vor ein weißes Blatt Papier setzt und es fehlen die Inspirationen und Ideen. Wenn sich diese Situation wiederholt, beginnt man an sich selbst zu zweifeln. Dabei ergibt sie sich nur aus mangelhafter Organisation. Schon bevor man sich an den Schreibtisch setzt, sollte man wissen, was man schreiben will. Am besten überlegt man sich am Ende einer jeden Schreibsession, was man beim nächsten Mal schreiben wird. Oder man macht sich vorab eine Liste lohnender Inspirationen, die man sich über den Arbeitsplatz hängt und ohne viel zu überlegen Punkt für Punkt abarbeitet. Wenn man Modelle, Vorlagen oder Informationen braucht, legt man sie am besten schon vorab bereit. Wenn alle Materialien bereitstehen und die Frage nach dem Motiv geklärt ist, braucht man sich tatsächlich nur noch hinzusetzen und mit dem Schreiben zu beginnen


Die kreative Umgebung

Wenn du einen Platz hast, an dem du regelmäßig schreiben möchtest, gestalte ihn so, dass du dich darin wohlfühlst. Gibt es Gegenstände oder Sinneseindrücke, die dich an deine Fantasiewelt erinnern? Dann umgib dich an deinem Schreibort damit. Hier noch einige weitere Tipps:


  1. Nimm dir die Zeit für dein kreatives Tun, aber verschwende sie nicht damit, auf Inspiration zu warten oder in eine kreative Stimmung zu kommen.

  2. Lass dich niemals von Kunstmythen oder dem Gerede anderer leiten. Es wird über Kunst und künstlerisches Tun viel Unsinn geredet. Deine Kreativität ist deine eigene persönliche Erfahrung. Niemand kennt sie besser als du.

  3. Lass Qualitätsbegriffe und übertriebene Erwartungen in Bezug auf das Ergebnis deiner Arbeit los. Schau das Ergebnis ganz unaufgeregt an und frage dich, was ist gut gelungen? Was könntest du beim nächsten Mal verbessern? Es gibt in jedem Buch gelungene und weniger gelungene Aspekte.

  4. Einfach beginnen, selbst wenn die Idee noch unklar ist. Details der Gestaltung und des Inhalts können sich erst im Arbeitsprozess selbst herauskristallisieren. Wenn du in den Schreibprozess eintauchst, bist du auch empfänglicher für deine Intuition.

  5. Bereite dich gleich nach einer Schreibsession auf die nächste vor, notiere Inspirationen und Ideen, lege Materialien bereit. So wirst du nie wieder vor einem leeren Blatt Papier sitzen mit der Frage „Was soll ich schreiben?”


Originelle Ideen finden

Inspirationen zum Schreiben gibt es viele. Manchmal ist es aber schwierig, dass für sich Passende zu finden, es zu fassen und dann umzusetzen. Was kann bei der Ideenfindung helfen?


  1. Fotos sind gute Vorlagen, um sich inspirieren zu lassen.

  2. Auch die Werke großer, bekannte Schriftsteller können zu Ideen führen.

  3. Wer viel unterwegs und auf Reisen ist, bringt viele Inspirationen mit nach Hause, die sich schriftstellerisch umsetzen lassen.

  4. Auch Ausstellungen in Museen können eine Basis für Inspiration sein.

  5. Lässt man den Blick aus dem Fenster schweifen, finden sich ebenfalls viele gute Ideen.

  6. Auf Ideenportalen wie Pinterest und Instagram wird man ebenfalls fündig.

  7. Immer ein Notizbuch dabei zu haben, um Schreibideen und Inspirationen für künftige Bücher festzuhalten, ist wahrscheinlich der beste Rat, den man einem Autor geben kann.


Der Mythos von der Originalität ist eine Plage, und wer Fortschritte im Schreiben machen will, löst sich am besten von diesen Ideen. Alle Inspirationen und Ideen wurden sicher schon von anderen Künstlern verwendet, es ist also egal, welche Idee man umsetzen will, sie ist wahrscheinlich keine Neue. Einzigartig ist nur die eigene Individualität, der subjektive Blick, die Art, wie man die Idee gestaltet. Denn es wurde bereits alles gesagt, aber noch lang nicht von allen.


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