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  • Birgit Wichmann

Die Vor- und Nachteile, als eWorker – Autorin unterwegs zu sein (1. Teil)

Seit einem Jahr nun habe ich meine Komfortzone verlassen und erfülle mir als eWorker meine lang gehegten Lebensträume als Autorin. Konkret bedeutet das, dass ich Buchprojekte aus der Schublade nehme und sie endlich schreibe. Das letzte Jahr war äußerst produktiv, sind doch sieben Bücher aus meiner Feder veröffentlicht worden. Doch das letzte Jahr war auch anstrengend, wenn es auch mein Traum und absolut notwendig war. In diesem Artikel verrate ich, wie sich das letzte Jahr gestaltet hat und wie es weitergehen soll.

Literarische Kreativität fällt nicht vom Himmel

Es wird nicht jedem so gehen, aber ich benötige für meine Buchprojekte das entsprechende Umfeld. Dazu gehört, dass ich mich zurückziehen kann, absolute Ruhe habe und meinen Film im Kopf ungestört laufen lassen kann. Idealerweise an dem Ort, an dem mein Roman spielt oder die Informationen für mich verfügbar sind. Nur so kann ich eins werden mit meinen Protagonisten und sie zum Leben erwecken. Schön ist es, wenn meine Recherchen in einem Umfeld stattfinden können, in dem Menschen zu finden sind, die meine Leidenschaft teilen. Sei es wie für den Roman „Das Geheimnis der roten Steine“ das Stadtmuseum und -archiv in Güstrow (Deutschland) oder für die historische Trilogie „Die Hugenotten: dem Schicksal überlassen“ das Museum in Mialet (Frankreich). So lässt sich der Grund für meine Reisen leicht erkennen. Ohne Reisen keine Romane.


Der Sprung ins kalte Wasser

Ich gebe es zu, am Anfang standen viele Zweifel, ob ich das, was ich mir da vorgenommen hatte, auch wirklich schaffen werde. Als Einzelkämpferin führte ich deshalb nicht nur viele Gespräche mit mir selbst, sondern auch mit Freunden und Familie. Je mehr Gegenargumente ich bekam, desto mehr Argumente fand ich dafür. Das stärkste Argument bei allen war mein Alter von 61 Jahren. Das jedoch ist etwas, was ich als positiv empfand. Trotz aller vorgebrachten Bedenken sprang ich ins kalte Wasser. Sieben Monate Frankreich wollten organisiert und gelebt werden. Auch wenn ich gern in diesem Land mit seinen freundlichen Menschen bin, sieben Monate sind nicht zwei Wochen Urlaub. Ich war auf alle möglichen Szenarien vorbereitet und nicht eine ist eingetroffen. Angst ist immer nur im Kopf. Mit jedem Tag in Frankreich wurde ich mutiger und meine Projekte nahmen an Fahrt auf. Am Ende standen sieben fertige Bücher, wo von zwei Bestseller geworden sind.


Mit den in Frankreich gewonnenen Erfahrungen fiel mir Deutschland für den zweiten historischen Roman „Das Geheimnis der roten Steine“ schon leichter. Den Zwischenstopp in Österreich nutzte ich, um nachzujustieren. So ging schon einmal weniger Gepäck mit auf Reisen. Auch dieser Roman war inzwischen Bestseller. Schönes Nebenergebnis ist, dass es im Jahr 2023 zwei Lesungen geben wird. Eine im Theater des Friedens in Rostock und eine im Stadtmuseum Güstrow. Das Geheimnis hinter diesem Buch und von mir nicht gewollt, der Termin für die Lesung stand fest, bevor der Roman überhaupt begonnen war. So kann es auch gehen.


Statt Luxus, Minimalismus

Natürlich ist es ein Luxus, ortsunabhängig arbeiten zu können, selbstbestimmt zu leben und viele neue Menschen kennenzulernen. Ich sehne mich weder nach meinem Wohnzimmer, einem festen Arbeitsplatz, Gammelwochenenden oder Kaffeekränzchen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich als Autorin keine Wochenenden habe. Trotzdem empfinde ich mein jetziges Leben als normal, für mich normal. Der Kontakt zu meinen Freunden findet überwiegend per Telefon statt, aber sobald ich wieder im Lande bin, schaue ich vorbei. Kann aber eben dauern. Ich habe viel gelernt im letzten Jahr über atemberaubende Landschaften, Kultur und Menschen. Trotzdem konnte ich jedes meiner Buchprojekte schneller vorantreiben, als es in Österreich meinem Wohnsitz möglich gewesen wäre. Mit 25 oder 30 Tagen Urlaub ist das kaum möglich. Ich habe es in der Vergangenheit probiert.


Ganz spannend waren auch die Persönlichkeiten, die ich als Autorin kennenlernen durfte. Dabei rede ich nicht nur von den Einheimischen, die alle ihre Eigenheiten haben, sondern auch von Auswanderern, die seit Jahrzehnten dort leben und sehr unterschiedlich damit umgehen. Kulturell hatte ich nie Schwierigkeiten. Ich bin flexibel. Während ich als Autorin gefühlt Tag und Nacht arbeitete, müssen andere entweder gar nicht arbeiten oder nur einmal am Tag den Laptop öffnen und schauen, ob die Geschäfte laufen und sich das Konto füllt. Viele Inspirationen habe ich mitgenommen, auch wenn sie mit mir wenig am Hut hatten. Abschauen ist aber erlaubt und vielleicht konnte ich ja auch etwas weitergeben. Schließlich zählen das Miteinander und nicht das gegeneinander.


Eine ganz spannende Geschichte war der Minimalismus, den ich leben und erleben durfte. Die Folge, meine Wohnung hat jetzt weniger Inhalt. Man braucht wenig zum Leben und mit jedem Abwerfen von Ballast fühlt man sich glücklicher und zufrieden.


Vom Luxus der Selbstbestimmung und Ortsunabhängigkeit

Ich bin froh darüber, unsere Arbeitswelt mit 59 Jahren hinter mir gelassen zu haben. Schon meine Selbstständigkeit als Autorin bescherte mir fünf Dinge:

  • Keine festen Arbeitszeiten mehr im Büro

  • Nicht mehr jeden Arbeitstag in der Woche absitzen

  • Keine Produktivitäts- und Kreativitätskiller mehr

  • Flucht aus dem Hamsterrad

  • Mein eigenes Ding durchziehen.

Für mich ganz wichtig dafür, das selbstbestimmte Arbeiten und die Ortsunabhängigkeit. Ich arbeite, wann ich will, wie ich will und wo ich will. Ist der Kopf leer, tun die Handgelenke weh, lege ich entweder eine längere Pause ein oder wechsle den Arbeitsort. Der kann im Garten, auf der Terrasse, im Wald, am Strand, in einer Co-Working-Station, im Bett oder an einem See liegen. Wichtig ist nur, dass ich arbeiten kann und mir meine Arbeitszeit so einteile, dass ich höchst produktiv bin. Ein Luxus, der mir jeden Tag versüßt.


Menschen wie mich gibt es nur in einem überschaubaren Rahmen. Man trifft sie in Netzwerken wie Facebook und kann dort nicht nur Gleichgesinnte kennenlernen, sondern sich auch über Projekte und Alltagsprobleme austauschen. Gleichgesinnte als Freund zu haben ist ein großer Vorteil. Man verzichtet auf das oberflächliche Reisegeplänkel und kommt gleich auf den Punkt. Trifft man sich dann in der realen Welt, hat man sich eine Menge zu erzählen.


Natürlich bin ich eine One-Woman-Show, aber ich habe nicht mehr bei null begonnen, sondern brachte meine Erfahrungen mit. Trotzdem ist es nicht leicht, als Einzelkämpfer ein Unternehmen aufzubauen. Viel ist zu erledigen und der Tag hat nur 24 Stunden. (Freelancer Aufträge generieren, Marketing, Buchhaltung, geschäftliche Gespräche, Telefonate mit Kunden, schreiben)Die ganze Verantwortung liegt bei mir. Das Gute daran keine lästigen Anweisungen vom Chef, kein Ständiges auf die Uhr schauen, ob bald Pause ist und keine Absprachen. Allerdings braucht man auch als Autorin eine große Portion Selbstdisziplin und Eigenmotivation. Meine Selbstständigkeit ist für mich ein großer Segen, wenn ich auch mein Angestelltendasein nicht bereue. Natürlich sorgt manchmal das Panikorchester der Selbstständigkeit für große Zweifel und Existenzängste, aber inzwischen wird es dadurch nur noch spannender. Ich bin der Dirigent geworden.


Locker statt Dresscode

Nein, ich habe nicht meine Businessklamotten gegen Flip-Flops getauscht. Schon in meinem Arbeitsleben als Angestellte habe ich darauf geachtet, dass es eher locker zuging. Jeans liegen mir eher als Lackschuhe. Doch heute ist es fast völlig egal, was ich trage. Niemand sieht, dass ich beim Skypen meine Radlerhose trage, ich im Alltag den Zehentrennern den Vorrang gebe und ich im Hoodie vor dem Laptop sitze. Es stört auch niemanden. Wieder ein Pluspunkt, in einem zwanglosen Outfit arbeiten zu können. So fühle ich mich wohl und habe Spaß bei der Arbeit.


Den Minimalismus habe ich bereits angesprochen. Der Verzicht auf Konsumgüter fiel mir nicht schwer, denn konsumgeil war ich noch nie. Ich hasse einkaufen. Alles, was ich als eWorker-Autorin brauche passt in mein kleines Auto. Das sind ein paar Klamotten, zwei Laptops (Sicherheitsdenken), meinen Reisepass, Bankkarten und mein Notakku mit Solarzellen. Nicht viel, aber ausreichend. Ich schätze den Minimalismus inzwischen sehr, komme mit sehr wenig aus und vor jedem Kauf frage ich mich, ob ich das was ich will auch wirklich brauche. Mein Geldbeutel freut sich und ich fühle mich glücklicher.


Fortsetzung folgt!

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