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  • Birgit Wichmann

Die wörtliche Rede – überraschend schwierig

In einem literarischen Text ist die wörtliche Rede ein wichtiges Stilmittel. Bücher ohne die direkte Rede gibt es wohl kaum. Ein Monolog, aber auch ein Dialog sorgen für die Atmosphäre, liefern Daten und Fakten, lassen den Protagonisten lebendig werden und transportieren Denkprozesse zum Leser. Doch auch in Sachtexten kommt die wörtliche Rede vor. Wer ein Telefonat zu Protokoll nehmen muss oder einen Kunden zitiert, braucht sie einfach, wenn zumindest einzelne Passagen wörtlich wiedergegeben werden sollen. Häufig kommt es dann zu einem Chaos in der Zeichensetzung, welches ich hier ordnen möchte.


Anredepronomen in der wörtlichen Rede

Die Personalpronomen dein und du werden in der wörtlichen Rede immer klein geschrieben. Nach den derzeit gültigen Rechtschreibregeln ist eine Großschreibung nur noch dann erlaubt, wenn der Leser direkt angesprochen wird. Meist ist dem aber nicht so. Heike fragt Birgit: „Willst du verreisen?“ Das „du“ muss kleingeschrieben werden. Wer eine E-Mail oder einen Brief schreibt, spricht dagegen den Leser direkt an. Hier ist die Großschreibung geduldet. Der Duden empfiehlt allerdings auch für diesen Fall die Kleinschreibung.


Querbeet, Querdurch oder Querfeldein

Möchte sich die wörtliche Rede mit anderen Satzteilen verbünden, so können sich daraus Probleme ergeben.


Begleitsatz vor der wörtlichen Rede:

  • Ist der Begleitsatz weder eine Frage noch ein Ausruf, so ist er neutral. Das ist in den meisten Fällen so. Die wörtliche Rede wird dann mit einem Punkt, einem Ausrufe- oder Fragezeichen beendet. Dann folgt das Gänsefüßchen. Sascha sagt: „Gut gebrüllt Löwe!“

  • Der Begleitsatz ist ein Ausruf oder eine Frage und nimmt so Einfluss auf den Tonfall des Textes. Dann stehen das Ausrufe- oder Fragezeichen ganz am Ende, also hinter dem Gänsefüßchen. Wer fragte: „Gut gebrüllt Löwe“? Damit es nicht zu viele Satzzeichen werden, entfällt in so einem Fall der Punkt am Ende des Satzes. Er wird für die Betonung schlichtweg nicht gebraucht.

  • Sind der Begleitsatz und die wörtliche Rede ein Ausruf oder eine Frage, so müssen beide mit den gewünschten Betonungszeichen beendet werden. Das sieht allerdings etwas monstermäßig im Text aus. Wer fragte: „Hat der Löwe nun gebrüllt?“?

Begleitsatz nach der wörtlichen Rede:

Steht der Begleitsatz nach der wörtlichen Rede, wirkt er im Text wie ein Kommentar. Ausrufe- und Fragezeichen bleiben erhalten, aber der Punkt am Ende fehlt. „Gut gebrüllt, Löwe“, sagte Sascha. „Brüllte der Löwe?“, will Edith wissen.


Der Begleitsatz wird in die wörtliche Rede eingeschoben:

Auch als Kommentar wirkt die wörtliche Rede, wenn der Begleitsatz eingeschoben wird. Dann wird der Begleitsatz von Kommas umhüllt. Die Ausrufe- und Fragezeichen, aber auch der Punkt stehen vor dem Gänsefüßchen. „Der Löwe“, sagte Sascha, „hat gut gebrüllt.“


Wenn der Begleitsatz der Rahmen für die wörtliche Rede ist:

Bildet der Begleitsatz den Rahmen für die wörtliche Rede, dann hat sie keinen Schlusspunkt und nach den Gänsefüßchen folgen Komma, Begleitsatz und Punkt. Wenn Edith fragt: „Brüllte der Löwe?“, dann antwortet einfach nicht.


Die wörtliche Rede ist im Satz integriert

Ist die wörtliche Rede im Satz integriert, so ist sie vom Text umschlossen, bildet aber trotzdem mit dem umgebenden Satz eine Einheit. In diesem Fall entfällt der Doppelpunkt vor der wörtlichen Rede. Der Satz geht nach der wörtlichen Rede ohne Komma weiter. Ich gehe ihnen so langsam auf die Nerven mit meinen Beispielen mit „Gut gebrüllt, Löwe“. Mein ewiges „Gut gebrüllt, Löwe“ geht selbst mir auf den Zeiger.


Moritz soll einen Aufsatz über seine Familie und ihre Abstammung schreiben. "Mami", fragt der Junge, "wo komme ich her?" - "Der Storch brachte dich." - "Und wo kommst du her?" - "Ach vom Storch." - "Und Großmutter?" - "Auch sie brachte der Storch." Der Aufsatz des Jungen beginnt folgender maßen: "In unserer Familie gab es seit drei Generationen keine natürlichen Geburten."





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