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  • Birgit Wichmann

Als TexterIn Emotionen wecken mit Storytelling

In der Schule waren es die Aufsätze. Ich habe sie heiß und innig geliebt, denn sie gaben meiner Fantasie Raum und Futter. Stets belohnt mit einer Eins. Ich war der Liebling meiner Deutschlehrerin und ich war ihr sehr dankbar für meine Förderung. Selbst in Faust konnte ich mich so gut hineinversetzen, dass ich ihn mit 14 Jahren schon auswendig rezitieren konnte und in meinen allgemeinen Sprachgebrauch zum Erstaunen aller Erwachsenen mit einbaute. Ein Schalk, wer Böses dabei denkt, aber die nichts ahnenden Gesichter der Erwachsenen waren mir ein innerer Vorbeimarsch. Und bis heute sind einzelne Sätze des Gretchens bei mir geblieben.



Das, was ich in der Schulzeit lernte, war die Basis für meine Anfänge als Buchautorin. Inzwischen sind es mehr als 20 Bücher, die von Beginn an ohne die Arbeit als Texterin finanziell nicht realisierbar gewesen wären. Doch in allen konnte ich das Gelernte aus den Aufsätzen umsetzen. Der Aufbau aus Einleitung, Hauptteil und Schluss sind dabei genauso wichtig wie das Wecken von Emotionen. Aber auch ein Spannungsbogen muss entworfen und entwickelt werden. Er darf abfallen, aber auch aufrecht gehalten werden und am Ende muss er aufgelöst werden. Kleine Verschnaufpausen zwischendurch darf man dem Lesen gönnen, doch dann muss er sofort wieder in den Bann gezogen werden. Wie sich das anfühlt, weiß ich nicht erst seit dem Gretchen.


Heute nutze ich mein Wissen für Werbebotschaften und für Blogartikel. Auch beim Storytelling müssen eine Handlung entwickelt, die Botschaft klar rübergebracht und die Figuren/Protagonisten zum Leben erweckt und in Relation zueinander gesetzt werden. Die Einleitung muss Interesse wecken, darf aber auch ein wenig emotional sein. Doch es braucht die Neugierde, damit der Leser weiterlesen will. Also einen kurzen Sprung auf die Seite der Zielgruppe wagen und schauen, wie sich der geplante Text anfühlt. Die eigenen Erwartungen an das Produkt oder die Dienstleistung dürfen ruhig miteinfließen. Dann muss ein Held oder eine Heldin her, die den Leser durch den Text führt und ihn emotional mitreißt. Kleine, gekonnt eingesetzte Nebenhandlungen geben die notwendige Würze. Am Ende führt der Spannungsbogen zu einem Fazit, das den Leser in aller Kürze zusammenfassende Informationen liefert.


Für einen Blogartikel ist das die ideale Herangehensweise, nicht aber für einen Werbetext zu Marketingzwecken. Jetzt heißt es Diät halten und gründlich abspecken. Der Text ist noch zu voluminös. Jetzt ist das Können der TexterIn gefragt. Die Autorin darf ausgeblendet werden. Storytelling für ein zielgerichtetes Marketing heißt:

  • auf das Notwendige reduzieren

  • den Dialog zwischen Verkäufer und Käufer finden

  • Emotionen wecken

  • nicht zu viele Produktmerkmale aufzeigen

  • Lösungen zeigen

  • eine Erfolgsgeschichte kreieren.

Wer regelmäßig Werbe-Mails, Prospekte, Flyer und Newsletter schreibt, weiß, wovon ich rede.


So wird Storytelling zu einem wirklich starken Text-Element und nimmt den potenziellen Käufer mit auf eine emotionale Erlebnisreise.


Doch wie sieht das nun praktisch aus?


Wir kennen sie alle, die Lebenswelt von IKEA, die jedem, ob er will oder nicht, das schwedische Lebensgefühl vermittelt. Und jeder Österreicher wird die Schweden-bomben von Niemetz kennen, die man immer gerner hat.


Willkommen in der Marketing-Märchenstunde. Es liegt Entspannung in der Luft und der Märchenerzähler schlägt die digitalen Seiten seines Buches auf. Es knistert in der Luft und ein Hauch von Magie schwebt über den Leser. Noch einmal kurz Luft holen und die Märchenstunde kann beginnen. Eine dunkle, warme Stimme dringt in das Hirn und der Zuhörer ist gefesselt und rührt sich nicht von seinem Platz. Selbst wenn er schon zehn Billy-Regale hat, muss es auch noch das Elfte sein. Selbst wenn die Hüftrollen schon üppig sind, eine Schwedenbombe geht noch.


Storytelling fesselt und lässt nicht mehr los. Das zu verkaufende Produkt oder die Dienstleistung wird nun geschickt in die Geschichte mit eingebaut und der potenziellen Käufer in die gewünschte Richtung gelenkt. Jede so erfundene Geschichte hat starke Emotionen in sich, die die Zielgruppe anspricht und Begehrlichkeiten weckt. Die Erzählweise ist so ausgeschmückt, dass man ihr Aufmerksamkeit schenken muss. Aus der Hirnforschung weiß man, dass, wenn uns Ereignisse stark berühren, sie auch fest in unserem Gedächtnis verankert werden. Wir kommen schlecht wieder davon los.


Wortakrobaten nutzen das und denken sich Geschichten aus, die dann vor dem geistigen Auge wie von selbst ablaufen. Alle Informationen werden so wiedergegeben, wie der potenzielle Käufer sie benötigt. 0 Problem oder? Gemerkt, das war gerade Storytelling in Reinform. Schließlich weiß jeder, welche Bedeutung 0 Problem hat.


Auf den Punkt gebracht


Klar und einfach schreiben, verständlich, aber knapp formulieren und genau auf den Punkt bringen.


Neu auf dem Markt der TexterInnen? Keine Ahnung von der Materie? 0 Problem! Man kann (fast) alles Lernen. Folge diesem Blog! Das ist ein Anfang...





 

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