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  • Birgit Wichmann

Satzlängen und ihre Wirkung für Texte und Leser

Es gibt tatsächlich Menschen, die mögen Sätze im Feldwebelstil. Kurz, knackig und maximal fünf Wörter. In der Kürze liegt die Würze, sagte schon meine Großmutter. Doch ein Zuviel an Würze, verdirbt auch das beste Essen oder?


Heute gibt es Ratatouille. Oma kocht. Gegessen wird um zwölf. Alles klar?


Mag modern sein, wirkt auf mich aber eher zwanghaft und stereotyp. Ein guter Text beinhaltet unterschiedliche Satzlängen. So erhält jeder Text seinen eigenen Rhythmus. Alle Satzarten haben in ihm Platz und jeder, ob Stakkatotext oder Bandwurmtext haben ihre Berechtigung.


Der mittellange Text


Oma muss sich beeilen, sie muss noch kochen.


Die Basis für einen jeden Text sind die mittellangen Sätze. Sie bestehen aus einem Hauptsatz und maximal zwei Nebensätzen. Der Garant für einen ausgezeichneten Lesefluss und dem Verständnis. Doch Akzente lassen sich mit ihm nicht setzen. Dazu braucht es…


….Stakkatosätze


Sie bringen Leben in den Text, mit Spannung, Tempo und Verständlichkeit.


Oma beeilt sich. Sie atmet heftig. Was kochen? Da die Idee, Ratatouille.


Kurze, unvollständige Sätze werden aneinandergereiht. Sie klingen beim Lesen wie ein Orchester und verfehlen ihre Wirkung nicht. Spannung ist angesagt, Tempo kommt dazu und der Leser versteht. In einem Roman ist das der viel gerühmte Spannungsbogen, der aber nicht ewig andauern darf. Spannung gibt es nicht für immer. Sie darf auch wieder verfliegen. Sonst verliert man seine Leser. Am Ende des Textes angekommen, weiß der Leser nicht mehr, was er da eigentlich gelesen hat, wenn der Text nur aus Stakkato besteht. Und schon sind wir beim Bandwurm.


Besser, beim Bandwurmsatz


Der Tiefgang für jeden Text. Nichts für oberflächliche Leser.

Oma beeilt sich, sie muss heute kochen, noch hat sie nicht bemerkt, dass sie erst einkaufen gehen muss, mit Mundschutz.


Der Bandwurmsatz besteht aus einem Hauptsatz und beliebig vielen Nebensätzen. Der Leser wird langsamer. Anders wie bei Stakkato. Wird er zu häufig benutzt ermüdet er den Leser. Mit Bedacht eingesetzt, steigert er die Konzentration beim Lesen. So setzt sich ein Leser intensiver mit dem Text auseinander und kann dem Inhalt besser folgen.


Das Chaos, der Schachtelsatz


Hilfe, ich komme nicht mehr hinterher. Die Ursache: ein Schachtelsatz. Verwirrung macht sich breit.


Oma beeilt sich heute, denn sie muss heute kochen, doch noch hat sie nicht bemerkt, dass sie erst einkaufen gehen muss, mit Mundschutz und müden Beinen.


Viele Relativbezüge. Um den Knoten zu lösen, muss der Leser häufig mehrmals ansetzen. Trotzdem eignet sich der Schachtelsatz, um unklare Situationen und Mehrdeutigkeiten zu betonen. Bei einem Roman wird er häufig für gefühlsbetonte Szenen eingesetzt. Auf Dauer ist die Gefühlsduselei aber etwas anstrengend und ein Schachtelsatz auch. Zurückhaltung ist also empfehlenswert.


Dialoge statt Monologe im Text


„Warum atmest Du so heftig?“, fragte Anna. Oma erwiderte: „Ich muss mich beeilen, weil ich einkaufen muss.“


Sätze in Dialogen sollten kurz oder mittellang sein. Sonst wird der Dialog unglaubwürdig.


Ein Text, ein Poutbourri aus Sätzen


Jeder Satz hat in einem Text also seine Berechtigung. Sie sind das zentrale Stilmittel eines/-r TexterIn oder AutorIn. Ganz ohne ellenlange Sätze geht es nicht. Sie sollen den Leser dazu verführen, sich auf den Text ganz einzulassen, sich zu konzentrieren und sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen.


Beim Schreiben ist es wichtig, sich als TexterIn darüber klar zu sein, welche Wirkung welche Satzlänge auf den Leser haben wird und sie dann entsprechend einzusetzen. Wer mit mittellangen Sätzen beginnt, dem fällt es leichter einen logischen Ablauf in seinen Text zu bringen. Steht das Gerüst, kann man mit dem Anfang beginnen. Akzente werden durch unterschiedliche Satzlängen ganz bewusst gesetzt.


Und dann der Paukenschlag am Schluss, ein kurzer Satz. Viel Vergnügen!

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